Aktuelles NK Croatia Bietigheim
20 Jahre Hans-Peter Kelpe
12.06.2004
"Wieso sprechen Sie so gut deutsch?" "Weil ich Deutscher bin." Wenn Peter Kelpe mit dem ihm eigenen Humor diese Anekdote aus früheren Zeiten als Funktionär beim NK Croatia Bietigheim erzählt, kann man sich lebhaft vorstellen, wie kariert jener Vertreter der Stadtverwaltung Ende der 80er Jahre aus der Wäsche geschaut haben muss, als er mit Kelpe wegen der Überlassung von Vereinsräumen verhandelt hat.
Kariert ist die Wäsche, die Peter Kelpe vorgestern anlässlich des EM-Spiels Frankreich gegen Kroatien getragen hat: Zu seinem 60. Geburtstag vor einigen Tagen brachten die Croatia-Spieler ihm ein kroatisches Nationaltrikot im Schachbrettmuster vorbei, auf dem Rücken der Vorname und das Alter aufgenäht. "Diese Gesten sind es auch, weshalb ich bei Croatia hängen geblieben bin", sinniert Kelpe über die vergangenen 20 Jahren, in denen er die Verantwortung mitgetragen hat in dieser rund 60 Personen umfassenden Vereinigung kroatischer Menschen, die in Bietigheim-Bissingen eine zweite Heimat gefunden haben.
1969 gründete Ilija Subasic den NK Croatia Bietigheim, der mittlerweile der älteste kroatische Verein in Deutschland und nach Croatia Malmö der zweitälteste außerhalb Kroatiens in Europa ist. "Ich fühle mich pudelwohl, wir haben keine finanziellen Sorgen, es passt alles. Hier bringt sich jeder ein, die Familien sind immer dabei", so Peter Kelpe, zweiter Vorsitzender und Spielleiter.
Mit der Sprache hat Kelpe keine Probleme, die meisten sprechen ohnehin beinahe perfekt deutsch. "Ich verstehe mehr, als die glauben";,lacht Kelpe verschmitzt. Eine Funktionärskarriere hatte der gebürtige Niedersachse der seit 1968 in Bietigheim wohnt, nicht vorgehabt. "Ich war in Bietigheim früher Germania-Zugucker", erinnert sich Kelpe. Und - das ist er heute noch - großer Fan des VfB Stuttgart. Dieser Leidenschaft hat er sogar seine Frau Gerti zu verdanken, die er bei einer Zugfahrt zu einem Spiel des VfB nach Frankfurt kennengelernt hat. "Ohne sie könnte ich mich bei Croatia nicht so engagieren", ist Peter Kelpe froh über die Rückendeckung.
Zu NK Croatia kam er durch seinen Sohn Christopher, der mit seinen Schulfreunden Ivan Celar und Miroslav Korenic - dem heutigen Croatia-Trainer - mit Croatia den Aufstieg von der damaligen zweiten Spielklasse im jugoslawischen Spielbetrieb in Württemberg in die höchste, die Superliga, geschafft hat. "Croatia hat aus meinem Sohn einen guten Torhüter gemacht", erinnert sich Kelpe senior. "Zuerst war Christopher einer von uns, jetzt ist es sein Vater", freut sich Jure Maric über die Unterstützung aus dem Hause Kelpe.
Maric ist ein exzellenter Kenner der kroatischen Fußballszene und berichtet in kroatischen Zeitungen über die Geschehnisse um Croatia Bietigheim. Für Maric, dessen Schwiegersohn Robert Stanic beim Oberligisten 07 Ludwigsburg aktiv ist, ist das Beispiel der deutschen Familie Kelpe exemplarisch für den Erfolg des Bietigheimer Vereins - und entspricht der kroatischen Mentalität: "Bei uns spielen heute zu 70 Prozent Söhne von ehemaligen Croatia-Spielern." Von den rund 200 kroatischen Vereinen in Baden-Württemberg sieht Maric seinen Club ganz vorne in den Strukturen und der Vereinsführung: "Mit uns können nur noch Croatia Gaggenau und Zrinski Waiblingen mithalten." Als einen der Hauptgründe bringt Maric wieder die Familie ins Spiel: "Wo der Papi mit der Bierflasche zum Verein kommt, klappt's nicht. Wo Papi die Familie mitbringt, da geht es." Als Garanten für eine funktionierende Gemeinschaft nennt Maric neben Peter Kelpe seinen Vorsitzenden Stjepan Igric, der seit sieben Jahren im Amt ist: "Er ist das beste, was Croatia in den letzten zehn Jahren passiert ist."
Igric und Kelpe haben Croatia sportlich wieder in ruhigere Fahrwasser gelenkt nach einigen turbulenten Jahren Anfang und Mitte der 90er. Nach der Eingliederung in den Spielbetrieb des Württembergischen Fußball-Verbandes stieg Croatia Bietigheim in zwei Jahren von der B-Liga in die Bezirksliga auf. Unvergessen das entscheidende Spiel um die A-Ligameisterschaft gegen Sönmez Bietigheim 1993 vor 1500 Zuschauern in Metterzimmern. Nach dem Bezirksligaaufstieg wollte ein Geschäftsmann aus Vaihingen Croatia noch weiter nach oben führen, baute eine Klassemannschaft auf. Nach finanziellen Turbulenzen folgte der bittere Abstieg, im dritten Jahr hagelte es zweistellige Niederlagen in Serie. Nur zwei Wochen Pause "Wir haben dennoch durchgehalten, wurden dafür gelobt und haben den Abstieg in die C-Klasse verhindert", erinnert sich Kelpe, der in seinen 20 Croatia-Jahren nur mal für ganze zwei Wochen den Bettel hingeworfen hatte. Für seine enormen Verdienste erhielt Kelpe vom kroatischen Fußball-Verband sogar eine goldene Plakette.
Eins blieb Kelpe, der vor allem die ausgezeichnete Zusammenarbeit im Jugend- und Aktivenbereich mit dem FSV 08 Bissingen lobt, zu seinem 20-jährigen Schaffen beim NK Croatia und zu seinem 60. Geburtstag versagt: Der Aufstieg in die Kreisliga A. Im Relegationsspiel gegen den SKV Hochberg vor wenigen Wochen führten die Bietigheimer gegen den SKV Hochberg mit 3:0 und 4:2 - und verloren am Ende 4:5. ";Das war das Schlimmste was ich bei Croatia erlebt habe. Schlimmer noch als die vielen zweistelligen Niederlagen damals in der Bezirksliga", bekennt Stjepan Igric. Der Vorsitzende fühlt sich mit seinem Verein in der Stadt gut positioniert, freut sich vor allem über die unentgeltliche Benutzung der Sportanlagen in Metterzimmern und in den Wintermonaten in den Parkäckern.
Bild: Die Trikot-Rückseite zeigt das Alter von Vorstandsmitglied Peter Kelpe an. Das starke Vorstandsteam von NK Croatia Bietigheim, von links: Jure Maric, Peter Kelpe und Stjepan Igric. Fotos: Helmut Pangerl
Das Gespräch führte Claus Pfitzer
Quelle: Bietigheimer-Zeitung 19. Juni 2004
"Wieso sprechen Sie so gut deutsch?" "Weil ich Deutscher bin." Wenn Peter Kelpe mit dem ihm eigenen Humor diese Anekdote aus früheren Zeiten als Funktionär beim NK Croatia Bietigheim erzählt, kann man sich lebhaft vorstellen, wie kariert jener Vertreter der Stadtverwaltung Ende der 80er Jahre aus der Wäsche geschaut haben muss, als er mit Kelpe wegen der Überlassung von Vereinsräumen verhandelt hat.
Kariert ist die Wäsche, die Peter Kelpe vorgestern anlässlich des EM-Spiels Frankreich gegen Kroatien getragen hat: Zu seinem 60. Geburtstag vor einigen Tagen brachten die Croatia-Spieler ihm ein kroatisches Nationaltrikot im Schachbrettmuster vorbei, auf dem Rücken der Vorname und das Alter aufgenäht. "Diese Gesten sind es auch, weshalb ich bei Croatia hängen geblieben bin", sinniert Kelpe über die vergangenen 20 Jahren, in denen er die Verantwortung mitgetragen hat in dieser rund 60 Personen umfassenden Vereinigung kroatischer Menschen, die in Bietigheim-Bissingen eine zweite Heimat gefunden haben.
1969 gründete Ilija Subasic den NK Croatia Bietigheim, der mittlerweile der älteste kroatische Verein in Deutschland und nach Croatia Malmö der zweitälteste außerhalb Kroatiens in Europa ist. "Ich fühle mich pudelwohl, wir haben keine finanziellen Sorgen, es passt alles. Hier bringt sich jeder ein, die Familien sind immer dabei", so Peter Kelpe, zweiter Vorsitzender und Spielleiter.
Mit der Sprache hat Kelpe keine Probleme, die meisten sprechen ohnehin beinahe perfekt deutsch. "Ich verstehe mehr, als die glauben";,lacht Kelpe verschmitzt. Eine Funktionärskarriere hatte der gebürtige Niedersachse der seit 1968 in Bietigheim wohnt, nicht vorgehabt. "Ich war in Bietigheim früher Germania-Zugucker", erinnert sich Kelpe. Und - das ist er heute noch - großer Fan des VfB Stuttgart. Dieser Leidenschaft hat er sogar seine Frau Gerti zu verdanken, die er bei einer Zugfahrt zu einem Spiel des VfB nach Frankfurt kennengelernt hat. "Ohne sie könnte ich mich bei Croatia nicht so engagieren", ist Peter Kelpe froh über die Rückendeckung.
Zu NK Croatia kam er durch seinen Sohn Christopher, der mit seinen Schulfreunden Ivan Celar und Miroslav Korenic - dem heutigen Croatia-Trainer - mit Croatia den Aufstieg von der damaligen zweiten Spielklasse im jugoslawischen Spielbetrieb in Württemberg in die höchste, die Superliga, geschafft hat. "Croatia hat aus meinem Sohn einen guten Torhüter gemacht", erinnert sich Kelpe senior. "Zuerst war Christopher einer von uns, jetzt ist es sein Vater", freut sich Jure Maric über die Unterstützung aus dem Hause Kelpe.
Maric ist ein exzellenter Kenner der kroatischen Fußballszene und berichtet in kroatischen Zeitungen über die Geschehnisse um Croatia Bietigheim. Für Maric, dessen Schwiegersohn Robert Stanic beim Oberligisten 07 Ludwigsburg aktiv ist, ist das Beispiel der deutschen Familie Kelpe exemplarisch für den Erfolg des Bietigheimer Vereins - und entspricht der kroatischen Mentalität: "Bei uns spielen heute zu 70 Prozent Söhne von ehemaligen Croatia-Spielern." Von den rund 200 kroatischen Vereinen in Baden-Württemberg sieht Maric seinen Club ganz vorne in den Strukturen und der Vereinsführung: "Mit uns können nur noch Croatia Gaggenau und Zrinski Waiblingen mithalten." Als einen der Hauptgründe bringt Maric wieder die Familie ins Spiel: "Wo der Papi mit der Bierflasche zum Verein kommt, klappt's nicht. Wo Papi die Familie mitbringt, da geht es." Als Garanten für eine funktionierende Gemeinschaft nennt Maric neben Peter Kelpe seinen Vorsitzenden Stjepan Igric, der seit sieben Jahren im Amt ist: "Er ist das beste, was Croatia in den letzten zehn Jahren passiert ist."
Igric und Kelpe haben Croatia sportlich wieder in ruhigere Fahrwasser gelenkt nach einigen turbulenten Jahren Anfang und Mitte der 90er. Nach der Eingliederung in den Spielbetrieb des Württembergischen Fußball-Verbandes stieg Croatia Bietigheim in zwei Jahren von der B-Liga in die Bezirksliga auf. Unvergessen das entscheidende Spiel um die A-Ligameisterschaft gegen Sönmez Bietigheim 1993 vor 1500 Zuschauern in Metterzimmern. Nach dem Bezirksligaaufstieg wollte ein Geschäftsmann aus Vaihingen Croatia noch weiter nach oben führen, baute eine Klassemannschaft auf. Nach finanziellen Turbulenzen folgte der bittere Abstieg, im dritten Jahr hagelte es zweistellige Niederlagen in Serie. Nur zwei Wochen Pause "Wir haben dennoch durchgehalten, wurden dafür gelobt und haben den Abstieg in die C-Klasse verhindert", erinnert sich Kelpe, der in seinen 20 Croatia-Jahren nur mal für ganze zwei Wochen den Bettel hingeworfen hatte. Für seine enormen Verdienste erhielt Kelpe vom kroatischen Fußball-Verband sogar eine goldene Plakette.
Eins blieb Kelpe, der vor allem die ausgezeichnete Zusammenarbeit im Jugend- und Aktivenbereich mit dem FSV 08 Bissingen lobt, zu seinem 20-jährigen Schaffen beim NK Croatia und zu seinem 60. Geburtstag versagt: Der Aufstieg in die Kreisliga A. Im Relegationsspiel gegen den SKV Hochberg vor wenigen Wochen führten die Bietigheimer gegen den SKV Hochberg mit 3:0 und 4:2 - und verloren am Ende 4:5. ";Das war das Schlimmste was ich bei Croatia erlebt habe. Schlimmer noch als die vielen zweistelligen Niederlagen damals in der Bezirksliga", bekennt Stjepan Igric. Der Vorsitzende fühlt sich mit seinem Verein in der Stadt gut positioniert, freut sich vor allem über die unentgeltliche Benutzung der Sportanlagen in Metterzimmern und in den Wintermonaten in den Parkäckern.
Bild: Die Trikot-Rückseite zeigt das Alter von Vorstandsmitglied Peter Kelpe an. Das starke Vorstandsteam von NK Croatia Bietigheim, von links: Jure Maric, Peter Kelpe und Stjepan Igric. Fotos: Helmut Pangerl
Das Gespräch führte Claus Pfitzer
Quelle: Bietigheimer-Zeitung 19. Juni 2004
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